Die Jahreslosung für dieses Jahr ist ein Vers aus dem Buch des Propheten Hesekiel und zwar Hesekiel 36,26:

„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

Als ich hörte, dass dieser Vers die Jahreslosung für 2017 sein soll – da war mein erster Gedanke: „Na gut – das ist ja grundlegende Biblische Lehre. Das was hier steht – das hat sich durch Jesus ja erfüllt.“

So können wir es im Neuen Testament in der Apostelgeschichte nachlesen:

An Pfingsten kam der Heilige Geist auf die Jünger von Jesus. Damals sagte Petrus in seiner Predigt (Apg 2,38): „Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.“

Seitdem erleben die Menschen das: Wer zum Glauben an Jesus kommt, der lässt sich taufen – und er bekommt von Gott die Gabe des Heiligen Geistes.

Auch in der Bibel können wir das nachlesen:
– Als in Samarien Menschen zum Glauben kommen, erleben sie das so (Apostelgeschichte 8).
– Die Heiden im Haus von Kornelius erleben das so, als sie zum Glauben kommen – wobei da zuerst der Geist auf die Menschen kommt und dann werden sie getauft (Apostelgeschichte 10).
– Und auch die Johannes-Jünger in Ephesus erleben das so, als sie von Paulus getauft werden (Apostelgeschichte 19,1-7).
Und das gilt bis heute.

Es hat aber eine bestimmte Bedeutung, wenn gerade dieser Vers über dem neuen Jahr stehen soll – über dem Jahr 2017.

Denn dieser Vers stellt uns die Frage: Wie sieht es eigentlich aus in eurem Herzen? Was ist da in eurem Herzen? Ist da wirklich Gottes Geist in dir?
Und wenn ja: Wie viel Raum gibst du diesem Geist? Wie sehr lässt du dich von Gottes Geist bestimmen?

Denn das ist ja das Wunderbare an Gottes Geist – oder vielleicht sollte man eher sagen, das Merkwürdige: Wenn Gottes Geist in uns wohnt – dann übernimmt er nicht einfach die Steuerung. Wir behalten das Heft in der Hand. Gottes Geist ist eben jetzt da, in uns – aber wir können entscheiden, ob wir auf ihn eingehen oder nicht.

Paulus hat das einmal so ausgedrückt: „Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln“ (Galater 5,25). Das heißt: Wenn der Geist Gottes schon in uns ist – dann lasst uns doch auch so leben, wie er das von uns will!

Aber viele Christen haben mit diesem Thema „Geist Gottes“ bzw. „Heiliger Geist“ so ihre Probleme. Es sind vor allem drei Fragen, die sich Christen immer wieder stellen:
1. Habe ich den Heiligen Geist überhaupt?
2. Kann ich etwas davon spüren oder fühlen, vom Heiligen Geist?
3. Wie kann ich erkennen, was der Heilige Geist von mir will, was er mir sagen will, wie er mich leiten will?

Die erste Frage habe ich ja im Grunde eben schon beantwortet. Petrus sagt: „Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.“

Ich muss mich also fragen: Habe ich „ja“ zu Jesus gesagt? Habe ich mein Leben Jesus übergeben? Ist er mein Herr und ich ein Kind Gottes?
Wer das bejahen kann, für den ist der nächste Schritt: die Taufe.

Die Taufe ist das Zeichen für die Menschen, die zu Jesus gehören – die „ja“ zu Jesus gesagt haben. Sie ist nicht das Zeichen für Sündlosigkeit – also das Zeichen für die Menschen, die es endlich schaffen, ohne Sünde zu leben. (Frage: Gibt es solche Menschen überhaupt?) Sie ist auch nicht das Zeichen für diejenigen, die schon reif im Glauben sind. Sondern die Taufe ist das Zeichen für diejenigen, die glauben.

Glaube und Taufe, das sind beides Dinge, bei denen wir Menschen gefragt sind. Das sind Dinge, die macht Gott nicht einfach mit uns, ohne dass wir das wollen. Sondern wir müssen selber ein „Ja“ dazu finden. Wir müssen selber sagen: „Ja, ich will glauben.“ Und auch: „Ja, ich will mich taufen lassen.“ Diese Entscheidungen nimmt Gott uns nicht ab.

Aber das Dritte, das ist anders.
Petrus sagt: „so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.“ Es ist so etwas wie ein Versprechen, wie eine Verheißung. Gott sagt: Wer glaubt und getauft ist – der wird den Heiligen Geist empfangen. Da brauchen wir dann nichts mehr zu tun. Das tut dann Gott selber.

Und trotzdem gibt es Christen – die sind immer noch nicht sicher, ob sie den Heiligen Geist haben. Sie glauben an Jesus; sie sind getauft – und doch sind sie nicht sicher.

Aber auch das ist kein Problem. Denn wir können es Gott sagen! Wer an Jesus glaubt, der ist doch ein Kind Gottes!
Wir können doch mit Jesus über alles reden! Wir können mit unserem Vater im Himmel doch über alles reden!

Und genau das sagt Jesus auch in der Bibel:
Lukas 11,13: „Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“

Wir können Gott um den Heiligen Geist bitten. Und er sagt es uns hier zu, er verspricht es uns: Wenn du ein Kind Gottes bist, und du bittest Gott um den Heiligen Geist, dann wird er ihn dir geben! Ich denke, eine bessere, eine klarere Zusage gibt es in der Bibel nicht.

Die zweite Frage: Kann ich den Heiligen Geist irgendwie spüren oder fühlen?

Und da ist die Antwort ganz eindeutig: Ja und nein! Warum ja und nein? Natürlich ist es so: Da wo der Geist Gottes in einem Menschen ist, da wirkt er auch in ihm. Und der Geist Gottes beeinflusst auch unsere Gefühle. Das wird in der Bibel immer wieder deutlich.

Zum Beispiel bewirkt der Heilige Geist, dass Menschen mutig werden. In Apostelgeschichte 4,31 heißt es: „sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimut.“ Der Heilige Geist bewirkt hier, dass die Menschen Mut bekommen, so dass sie das Wort Gottes weiter geben.

Oder er bewirkt, dass Menschen sich freuen (Apostelgeschichte 13,52): „Die Jünger aber wurden erfüllt von Freude und Heiligem Geist.“

Oder als Paulus in Athen ist, da heißt es (Apostelgeschichte 17,16): „Als aber Paulus in Athen auf sie wartete, ergrimmte sein Geist in ihm, als er die Stadt voller Götzenbilder sah.“

Jetzt ist es hier nicht ganz eindeutig, ob mit „Geist“ einfach der Geist von Paulus gemeint ist, also sein Herz, seine Gefühle – oder ob es der Heilige Geist ist. Aber ich glaube, dass dieser Grimm, den Paulus hier empfindet – dass dieser Grimm auch durch den Heiligen Geist mit bewirkt worden ist.

Hier wird aber auch schon gleich das Problem deutlich, wenn ich sage: Können wir etwas von dem Heiligen Geist in uns spüren oder merken? Das Problem ist nämlich, dass wir niemals beweisen können, dass es auch wirklich der Heilige Geist ist, der da in uns wirkt.

Wenn ich in einem Gottesdienst bin, und wir singen gemeinsam ein Lied, und dieses Lied, sein Inhalt, sein Text und die Melodie – das berührt mich ganz tief in meinem Herzen, dann kann ich sagen: „Da hat mich Gottes Geist berührt.“ (Vielleicht kennt ihr das oder habt es selber schon erlebt.) Aber ich kann niemandem beweisen, dass es auch wirklich Gottes Geist war.

Es gibt Menschen, die sind zum Beispiel Fans von Herbert Grönemeyer. Und dann gehen sie auch mal auf ein Konzert von Herbert Grönemeyer. Und dann singt er dort vielleicht dieses Lied, das er für seine verstorbene Frau geschrieben hat: „Der Weg“. (Vielleicht kennt ihr es.) Dann sagen viele der Konzertbesucher mit Sicherheit auch: „Das hat mich zutiefst bewegt“. Denn es ist ja auch ein bewegendes Lied. Aber dann muss es nicht unbedingt der Geist Gottes sein, der sie da berührt hat.

Im September waren wir mit sieben Männern hier aus der Gemeinde in Ewersbach auf dem Männertag.

Und der Referent, Dirk Schröder, hat nicht nur referiert. An einer Stelle hat er uns alle nach draußen geschickt. Jeder von uns sollte sich draußen einen Platz suchen und für sich still sein und sehen, ob Gott irgendwie zu ihm redet.

Und hinterher, als wir dann wieder alle zusammen waren, da hat Dirk Schröder gefragt und hat uns um Handzeichen gebeten: „Wer hat erlebt, dass Gott zu ihm gesprochen hat?“ Viele haben sich gemeldet – aber nicht alle.

Ich habe mich auch gemeldet. Und hinterher hat mich einer von den Männern angesprochen. Und er hat mich gefragt: „Woran hast du denn gemerkt, dass es Gott war, der zu dir gesprochen hat? Können es nicht auch deine eigenen Gedanken und Gefühle gewesen sein?“ Und ich habe zu ihm gesagt: „Ja, natürlich!“ Natürlich können das alles nur meine eigenen Gedanken und Gefühle gewesen sein. Ich kann nicht beweisen, dass wirklich Gott zu mir gesprochen hat!

Und das gilt für alles, was wir mit dem Geist Gottes erleben. Alles, was wir mit Gottes Geist erleben, ist ja noch lange kein Beweis dafür, dass es Gott gibt. Es wäre ja toll, wenn ich zu den Leuten gehen könnte und ihnen sagen: „Hier, sieh her: Das und das bewirkt der Heilige Geist! Das ist doch der Beweis dafür, dass es Gott gibt!“ Und so können wir auch niemandem beweisen, dass es Gottes Geist ist, der in uns wirkt. Dinge wie Mut, Freude oder Grimm, was die Christen hier in der Apostelgeschichte erlebt haben: das kann alles auch woanders her kommen. Es muss nicht der Heilige Geist sein, der das in uns bewirkt.

Wenn wir also das Gefühl haben, dass Gott zu uns spricht – dann können das theoretisch genau so gut unsere eigenen Gefühle und Gedanken sein.

Darum gilt: Wir können den Heiligen Geist in uns fühlen und spüren. Aber wir können kaum mit letztgültiger Sicherheit sagen: „Dieses Gefühl jetzt, das ist der Heilige Geist. Und das andere Gefühl, das, das ich jetzt habe, das ist nicht der Heilige Geist. Das bin ich selber!“

Aber das Schöne ist: Das muss auch gar nicht so sein. Und das will Gott auch gar nicht. Gott will nämlich nicht nur Herr über einen Teil von uns sein. Sondern er will der Herr sein über unser ganzes Leben. Deswegen soll auch unser ganzes Leben vom Heiligen Geist durchdrungen sein und nicht nur bestimmte Bereiche oder bestimmte Momente.

Deswegen beten ja auch viele Christen vor dem Essen:
– Zum einen danken sie für die Gaben, die sie haben dürfen.
– Zum anderen ist es aber auch ein Zeichen, dass auch da Gott bei ihnen ist: wenn sie ihr Mittagessen oder ihr Frühstück nehmen.

Christen beten auch im Bett vor dem Einschlafen. Denn sie wissen: Wenn ich schlafe, dann ist Gott bei mir.

Egal, was ich tue: Ob ich spazieren gehe, ob ich arbeite, oder ob ich auf Toilette bin: Gott ist immer dabei. Und der Heilige Geist ist bei mir, er ist in mir. Er ist bei allem mit dabei. Und das auch dann, wenn ich dabei gerade gar keine besonderen Gefühle habe!

Nun die dritte Frage: Wie kann ich erkennen, was der Heilige Geist von mir will, was er mir sagen will, wie er mich leiten will? Oder, kurz ausgedrückt: Wie kann ich Gottes Reden erkennen?

Auch dazu habe ich eben ja schon etwas gesagt: Es gibt keinen Beweis dafür, dass es wirklich Gott ist, der da zu mir gesprochen hat. Ich kann das glauben; ich kann mir auch ganz sicher sein. Aber ich kann es niemals beweisen.

Deswegen ist es immer ein Glaubensschritt, wenn ich sage: „Gott hat zu mir gesprochen.“ Und doch gehört das zum Leben eines Christen dazu, dass Gott zu ihm spricht.

Und auch da gibt es ein paar ganz grundlegende Regeln.

Die erste ist: Gott redet durch sein Wort. Wir alle haben wahrscheinlich eine Bibel bei uns zu Hause. Und die Bibel ist Gottes Wort. Deswegen ist die erste Regel: Wenn du wissen willst, was Gott sagt: Lies in der Bibel!

Natürlich ist die Bibel ein dickes Buch. Und viele von uns haben sie bestimmt noch nicht einmal ganz durchgelesen. Und dann kommt ja noch hinzu, dass es in der Bibel auch viele Stellen gibt, die nur schwer zu verstehen sind. Und dann schlägt man in klugen Büchern nach, die die Theologen geschrieben haben – und man merkt: Die Theologen sind sich da auch nicht immer einig, was diese oder jene Bibelstelle bedeutet!

Aber da gilt für mich dieser Grundsatz: Wir müssen und nicht an die ganze Bibel halten. Es reicht, wenn wir uns an das halten, was wir verstanden haben. Ich bin sicher: Wenn wir das nur einmal versuchen: dass wir uns an das halten, was wir in der Bibel verstanden haben – dann haben wir schon genug zu tun!

Natürlich gibt es auch Fragen, die so direkt in der Bibel jetzt nicht behandelt werden.

Zum Beispiel die Frage: „Soll ich eine Ausbildung machen oder soll ich lieber studieren?“ Da finden wir in der Bibel keine Aussage, die für alle Christen gilt.

Aber das sind natürlich Fragen, die viele Christen haben: „Welchen Weg hat Gott für mich persönlich? Wie soll ich mich jetzt entscheiden?“ Und gerade da möchte ich euch die Angst nehmen. Gerade weil Gottes Geist in euch ist, braucht ihr euch vor solchen Entscheidungen nicht zu fürchten.

Bei manchen Entscheidungen muss man vielleicht eine Weile warten, bis man die nötige Klarheit hat. Und bei anderen Entscheidungen ist es wieder so, dass man nicht warten kann. Sondern man muss einfach Schritte tun. Aber wenn man diese Schritte tut, dann merkt man schon, wie Gott einen auf einmal leitet. Er leitet einen, während man auf dem Weg ist.

Als Esther und ich uns kennengelernt haben – da haben wir gesagt: „Wir wollen mit einer Beziehung warten, bis wir beide ganz sicher sind, dass es das Richtige für uns ist.“ Und so haben wir gewartet, bis wir beide wirklich diese innere Sicherheit hatten: „Ja, das ist das Richtige! Ja, du bist der Richtige für mich!“

Bei der Frage, welchen Beruf ich lernen soll, da war ich anfangs nicht so sicher. Aber ich musste mich ja entscheiden! Also habe ich erst einmal auf Lehramt studiert. Und schon da habe ich gemerkt: Theologie muss auf jeden Fall dazu gehören. Erst wollte ich Latein und Geschichte studieren – aber ich merkte: Nein, ein Fach muss Religion sein. Da hat Gott mich damals schon geleitet. Und dann, in den Jahren darauf, hat Gott mich dann doch wieder anders geführt – und ich bin Pastor geworden.

Wenn Gottes Geist in dir ist – dann wird er dich auch führen. Vor allem dann, wenn du auch offen dafür bist. Wenn es dein Wunsch ist, dass er dich leitet, dann wird er es auch tun.

Das Allerwichtigste aber – das, worauf es in unserem Bibelvers vor allem ankommt und was auch der Grund ist, warum dieser Vers über diesem Jahr 2017 stehen soll: Die wichtigste Aufgabe des Geistes ist, dass er uns helfen soll, so zu leben, wie Gott das von uns will.

Was sind die beiden wichtigsten Gebote?
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst“ (Lukas 10,27).

Dazu ist der Heilige Geist vor allem da – dass er uns helfen will und zeigen soll, wie das geht: Wie lebe ich und wie verhalte ich mich, wenn ich Gott liebe? Und was muss ich tun, wie verhalte ich mich, wenn ich meinen Nächsten liebe? Dazu will uns der Geist Gottes befähigen und ermutigen: dass wir Liebe üben; dass Gottes Liebe durch uns die anderen Menschen erreicht.

Sind wir offen dafür, dass wir unseren Nächsten lieben? Sind wir offen dafür, dass wir ihm Gutes tun? Sind wir bereit, dass wir uns für ihn einsetzen? Oder sind wir da vielleicht nicht so bereit, auf den Heiligen Geist zu hören? Ist uns unser Nächster egal und wir denken: „Hauptsache, mir geht‘s gut!“?

Das Problem ist: Ich kann schlecht von dem Heiligen Geist erwarten, dass er mir zeigt, welchen Beruf ich wählen soll oder wen ich heiraten soll, und gleichzeitig bin ich nicht bereit, auf den Heiligen Geist zu hören, wenn es darum geht, dass ich meinen Nächsten lieben soll.

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Lassen wir seinen Geist in uns wirken. Lassen wir es zu, dass er uns verändert. Erlauben wir es ihm, dass er zu uns spricht, dass er uns leitet und dass er uns vor allem hilft, dass wir Gutes tun!

Wer hier mutig ist und erste Schritte geht, der wird sehr schnell merken, wie Gottes Geist in ihm wirkt und durch in wirkt. Und der wird sehr schnell merken, wie Gott ihn dabei leitet und führt und segnet.

Amen.