Gott kennt alle unsere Gedanken –

Andacht zum Monatsspruch für den Monat Oktober (Psalm 38,10)

Einmal sagte jemand zu mir: „Wir sind vor Gott wie ein aufgeschlagenes Buch.“ Er meinte damit: Gott weiß alles über uns. Er sieht nicht nur, was wir tun und sagen. Sondern er kennt auch alle unsere Gedanken, auch die geheimsten. Er kennt unsere Wünsche und unsere Sehnsüchte.

Manche Menschen sagen: „Wenn du keine bösen Gedanken hast, musst du von Gott ja auch nichts befürchten.“ Aber wie ist das, wenn ich doch mal einen bösen Gedanken habe? Oder eine Sehnsucht in meinem Herzen, von der ich weiß, dass Gott sie nicht gut findet?

Psalm 38, ein Lied Davids, beginnt mit den Worten: „HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn!“ Und in Vers 5 bekennt David: „Denn meine Sünden gehen über mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden.“ Er hat das Gefühl, dass Gott ihn für seinen Sünden bestraft – oder zumindest, dass Gott ihm ein gewisses Maß an Leid zumutet, damit er zur Besinnung kommt und über seine Sünden nachdenkt.

In Vers 10 sagt David dann: „Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen.“ David sehnt sich danach, dass Gott ihn von seinem Leid befreit. Und so bekennt er Gott bereitwillig seine Sünde (Vers 19).

David ist sich bewusst, dass Gott alles über ihn weiß. Gott weiß nicht nur, was David alles getan hat, Böses wie Gutes. Gott kennt auch Davids Gedanken. Er hört, wenn David seufzt, wenn er ihn im Gebet anfleht. Und er kennt Davids Herz. Er weiß genau, wonach es sich sehnt.

David war kein Mensch mit einer reinen Weste. Er hat nicht nur Gutes getan. Es gab in seinem Herzen auch so manchen Antrieb und so manche Sehnsucht, die sich gegen Gottes Willen richteten. Aber neben diesen Antrieben hatte David in seinem Herzen auch diese eine große Sehnsucht: Die Sehnsucht nach Gott. Die Sehnsucht danach, dass Gottes Wille geschehe. Die Sehnsucht danach, dass sich das Gute durchsetzt und am Ende triumphiert. Das ist ihm wichtiger, als dass er mit seinen krummen Wegen bei Gott durchkommt. Im Gegenteil: Seine krummen Wege bekennt er vor Gott. Auch wenn er es nicht immer schafft, zu widerstehen: er will doch auf Gottes Wegen gehen und seine krummen Wege verlassen.

Auch in mir sind viele Sehnsüchte und Wünsche. Nicht alle gefallen Gott. Aber über alle anderen Wünsche will ich diesen einen stellen: in der Harmonie mit meinem Gott zu leben; nach seinem Willen zu fragen; mein Leben nach ihm auszurichten.

Ich weiß: ich schaffe das nicht aus mir heraus. Wenn Gott nicht gnädig mit mir ist, werde ich daran scheitern. Und wenn Gott mir nicht immer wieder vergeben würde, gäbe es sowieso keine Hoffnung für mich. Aber weil Gott gnädig ist, kann ich diesen Weg mit ihm gehen. Ich kann seine Nähe immer wieder suchen. Und ich kann ihn um Hilfe bitten, wo ich allein nicht weiterkomme.

Gott kennt dieses Sehnen in mir, genau so wie er auch die schlechten Gedanken in mir kennt. Aber ich muss keine Angst vor ihm haben. Denn wie David habe ich Gottes Gnade erlebt und erlebe sie immer wieder.

Ich wünsche euch viele ermutigende Erfahrungen mit unserem gnädigen Gott.

Euer Achim Marshall